Wichtige Faktoren bei der Wahl des richtigen Standorts

 …Wie viele Menschen wohnen/ arbeiten im Umkreis?

 …Wie ist die Parkplatzsituation?

 …Befindet sich in der Nähe ein Bahnhof? oder sonstige Verkehrsanbindungen?

 …Ist der Standort auch gut zu Fuß zu erreichen?

 …Gibt es nahgelegene Arztpraxen? Wenn ja, wie viele?

 …Wie viele Apotheken gibt es in nächster Umgebung?

 …Wie hoch ist die Dichte der Einzelhandelsgeschäfte in der näheren Umgebung?

 …Wie ist das Image des Stadtteils/ der Region?

 …Gibt es Pflegeeinrichtungen?

Selbstverständlich wird es kaum möglich sein, stets alle Faktoren optimal zu erfüllen. Aus diesem Grund bietet es sich an, sich im Vorhinein zu überlegen, welche Zielgruppe man am Besten erreichen möchte bzw. welche Prioritäten man setzt. Bspw. ist es oft schwierig die beiden Faktoren Parkplatz und Erreichbarkeit zu Fuß in Einklang zu bringen. Befindet sich eine Apotheke bspw. im historischen Stadtkern, der in einer verkehrsberuhigten Zone liegt, muss zwangläufig auf den Faktor Parken unmittelbar vor der Offizin verzichtet werden. Priorität Nummer 1 hätte in diesem Fall dann die Lage im Stadtkern mit Laufkundschaft.

Neben dem Kundenpotenzial stellt vor allem auch die Frage nach nahegelegenen Arztpraxen für die Standortwahl einen wichtigen Aspekt dar. Gibt es im näheren Umkreis mehrere Ärzte, so steigt das Verschreibungspotenzial - je mehr Ärzte, desto mehr verschriebene Rezepte, desto mehr potenzielle Kunden. Nicht ganz unerheblich ist dabei auch die jeweilige Fachrichtung der Arztpraxen. Internisten sowie Allgemeinärzte sind für Apotheker von besonderem Interesse, während Orthopäden oder Zahnärzte eher zweitrangig sind. Dies liegt schlicht daran, dass Allgemeinärzte sowie bspw. Internisten mehr Rezepte verschreiben als Fachärzte für Orthopädie oder Zahnmedizin. Es ist also ganz entscheidend, in welchem ärztlichen Umfeld sich die künftige Apotheke befindet.

Neben Kundschaft und dem ärztlichen Umfeld spielt auch die Konkurrenz eine tragende Rolle in Bezug auf die Standortwahl. Es sollte also überprüft werden, mit wie vielen konkurrierenden Apotheken man sich die Kunden teilen müsste. Doch nicht nur die Anzahl anderer Apotheken im Umkreis ist entscheidend, auch die Evaluierung deren Anziehungskraft auf die Kunden und der Marktanteile.

Zu beachten ist auch, dass konkurrierende Betriebe im Umkreis nicht immer wider einen bestimmten Standort sprechen! In einigen Fällen kann dadurch auch das Geschäft belebt werden, wenn die eigene Apotheke bspw. Produkte/ Leistungen anbietet, die eine andere nicht vorweisen kann. Durch diese sog. Wettbewerbsanalyse kann in diesem Fall dann eine Positionierungsstrategie entwickelt werden, die sicherstellt, dass die eigene zu gründende Apotheke am Markt Bestand hätte.

Tipp vom Experten: Da es den einen perfekten Standort nur in äußerst seltenen Fällen gibt, ist es wichtig auch Kompromisse einzugehen!

Um potentielle Standorte auf Herz und Nieren zu prüfen, ist es immer ratsam, eine umfassende Standortanalyse vorzunehmen. Dies kann man entweder selbst tun, oder idealerweise einen Steuerberater mit Fachausrichtung auf den Heilberuf damit beauftragen.

Standortanalyse für den Apotheker

Bei einer Standortanalyse handelt es sich in erster Linie um eine ausführliche Prüfung der Gegebenheiten rund um den bereits bestehenden/ zu gründenden Apothekenbetrieb. Es werden unter anderem Prognosen hinsichtlich der Bevölkerungsstruktur und der Bevölkerungsentwicklung angestellt. Gleichzeitig wird die aktuelle Wettbewerbssituation sowie die wirtschaftlichen (liegt der Standort in einem Bankenviertel oder einem wirtschaftlich eher schwachen Gebiet?) und gesellschaftlichen Gegebenheiten (gibt es vorwiegend alte Menschen im Umkreis, Familien mit Kindern etc.) evaluiert.

Bei der Wahl des richtigen Standortes kommt es zwar immer auch auf die individuellen Ansprüche und Prioritäten des Gründers/ Nachfolgers an, jedoch spielen neben persönlichen Präferenzen auch eine Reihe an objektiven Faktoren eine wichtige Rolle. Dazu gehören das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen und Daten zur Kaufkraft des aktuellen Jahres. Die Kaufkraft zeigt das durchschnittlich verfügbare Einkommen der Einwohner an einem Standort x an. Sie ist deshalb auch für die Wahl des Standorts so wichtig, weil bspw. Einwohner Münchens im Vergleich zu Einwohnern Dresdens im Schnitt deutlich mehr pro Kopf verdienen. Das heißt sie sind eher bereit, Geld für rezeptfreie Medikamente oder Kosmetika auszugeben. Plant ein Apotheker hochpreisige Marken-Kosmetika sonstige Pflegeprodukte anzubieten, wäre München die bessere Wahl. Auch die Relation Einwohner/ Arzt sowie das Einzugsgebiet sind Faktoren, die Einfluss auf die Standortwahl ausüben. Einzugsgebiete mit 0-5 Gehminuten bieten bspw. ein Kundenpotenzial von 80%, Gebiete die 6-10 Minuten vom Apothekenstandort entfernt liegen dagegen nur zwischen 5 und 15%. Auch Angaben zur Beschäftigungs- bzw. Arbeitslosenquote, zur Wohn- und Altersstruktur werden bei der Evaluation des Standorts mitberücksichtigt.

Wichtige Begriffe zum Thema Standort und Standortanalyse

  • Abschöpfungsquote:

Eine weitere Möglichkeit, zu beurteilen ob ein Standort sich eignet oder nicht besteht im Ermitteln der sog. Abschöpfungsquote. Eben jene beschreibt den Anteil derjenigen Besucher, die die Apotheke nicht nur betreten, sondern die in der Apotheke tatsächlich einen Einkauf tätigen. Je nach Standort der Apotheke kann der Wert stark variieren, liegt das Geschäft in einer hoch frequentierten Einkaufspassage mit viel Laufkundschaft (relativ hohe Abschöpfungsquote), gibt es weitere Apotheken im Umkreis, die Kunden abziehen (Abschöpfungsquote geringer) etc.

  • Bedarfsprüfung:

Laut dem Apothekengesetz (ApG) darf ein Apotheker nur dann einen Betrieb eröffnen, wenn an dem jeweiligen Standort ein potenzieller Bedarf besteht. Dies ist nur dann der Fall, wenn durch die neue Apotheke mehr als 5.500 weitere Personen im Umkreis versorgt werden könnten. Eine solche Bedarfsprüfung erfolgt in der Regel anhand einer Analyse der Konkurrenz- bzw. Wettbewerbssituation und dem Einzugsgebiet.

Verfahren der Standortanalyse von Apotheken

Profilmethode vs. Nutzwertanalyse

Bei der Profilmethode werden zunächst die relevanten Standortfaktoren aufgestellt. Jeder potenzieller Standort erhält dabei ein Profil, bei dem alle Fakotren anhand einer Skala von 0-10 bewertet werden. Die Standortprofile werden im Anschluss anhand der Werte von 0-10 miteinander verglichen - diejenigen Standorte mit den niedrigsten Werten werden so lange aussortiert, bis der Beste übrig bleibt. Meist wird bei dieser Methode auch ein sog. Idealprofil erstellt, um die einzelnen potenziellen Standort dann wiederum mit diesem vergleichen zu können. Das Profil, das dem Ideal am ehesten entspricht wird dann ausgewählt (eine volle Deckung von Idealprofil und Standortprofil x wird sich kaum ergeben).

Die Nutzwertanalyse erfolgt dagegen anhand eines Punktebewertungsverfahrens. Der Ausgangspunkt ist eine herkömmliche Checkliste. Die einzelnen Standortfaktoren werden dann hinsichtlich ihrer Bedeutung für die Apotheke gewichtet (welche Faktoren sind sehr wichtig, welche eher zweitrangig?). In einem zweiten Schritt werden die jeweiligen Standorte hinsichtlich der Zielerreichung der Faktoren bewertet. Aus den Bewertungen und den Gewichtungsfaktoren ergeben sich dann verschiedene Teilnutzwerte. Eben jene werden je Standort aufsummiert und ergeben dann schließlich für jeden Standort x einen Gesamtznutzwert, der dann widerum verglichen werden kann. Der beste Nutzwert entscheidet dann über die Wahl des Standorts.

Da die Standortanalyse nur Aussagen über den Ist-Zustand trifft, ist es immer ratsam, auch eine Prognose für die Zukunft zu erstellen. Denn man sollte sich stets fragen, ob sich ein Standort auch künftig noch als geeignet erweist und attraktiv bleibt. Sind bspw. längerfristige Instandhaltungsmaßnahmen der Verkehrsführung oder größere Baustellen vorgesehen, sollte von dem Standort eher abgeraten werden, da diese einen großen Einfluss auf die Erreichbarkeit, die Kundschaft und die generelle Attraktivität haben können. Andererseits kann ein Standort jedoch auch enorme Entwicklungspotenziale besitzen. Sind bspw. neue Gewerbe-, Einkaufs-, oder Wohnflächen geplant, bietet es sich an, den Standort frühzeitig zu sichern.

Checkliste bei der Standortwahl für Ihre Apotheke

Beschaffungsorientierte Standortfaktoren

  • Gebäude/ Grundstück
  • Liefermöglichkeiten

Fertigungsorientierte Standortfaktoren

  • Unternehmerfreundlichkeit
  • Erweiterungsmöglichkeiten

Absatzorientierte Standortfaktoren

  • Absatz- und Ertragspotenzial
  • Agglomerationsvorteile
  • Absatzkontakte

Arbeitsorientierte Standortfaktoren

  • regelmäßiger Aktionsradius der Apotheke
  • Lohn- und Gehaltsniveau
  • Qualifikationsniveau
  • Image des Standorts

Infrastrukturelle Standortfaktoren

  • Verkehrseinrichtungen
  • Ver- und Entsorgung
  • Gesundheitseinrichtungen

Personenorientierte Standortfaktoren

  • mikro-soziales Umfeld
  • Wohnstandort

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Gründungsberatung für Apotheker

Folgende Leistungen bieten wir Ihnen dazu an: